Unsere Willkommens-Rede für die “CDR Experience Tour 2026” (Deutsch)

Das ist die Rede, die unser CEO Dirk Paessler vor den Besuchern "CDR Experience Tour" (organisiert von Deutschen Verbands für Negative Emissionen (DVNE) gehalten hat als diese unser Gewächshaus-Experiment besuchten. Ich veröffentliche sie hier für alle, die nicht dabei sein konnten.

There is also an English version of this text.


Herzlich willkommen, alle zusammen.

Ich bin Dirk Paessler, Gründer und CEO der Carbon Drawdown Initiative. Ich bin ein lebenslanger Software-Unternehmer, der zum Klima-Aktivisten geworden ist.

Ich möchte Ihnen heute nichts verkaufen. Was ich möchte, ist, Sie mit meiner Begeisterung für Klimaprojekte und Klimafirmen anzustecken — und Sie zu meinen Komplizen zu machen, damit wir gemeinsam unseren Themen die gesellschaftliche Aufmerksamkeit verschaffen, die sie verdienen.

Wir stehen vor enormen Herausforderungen. Aber diese Herausforderungen sind zugleich enorme Chancen.

‍Für mich fühlt sich das oft an wie 1995, als ich schon voll vom Siegeszug des Internets überzeugt und begeistert war und viele Menschen um mich herum sagten: „Ach Dirk, Du bist ja schnell von was begeistert. Aber das wird doch alles nicht so groß." Wir alle wissen, was dann kam.

Beim Klima, und bei CDR im Besonderen, sehe ich eine starke Welle kommen — sie ist schlicht unvermeidbar. Hier liegen großartige Chancen für den Einzelnen: akademisch oder um eine Karriere aufzubauen. Und für die Unternehmertypen, die sich an diese Themen heranwagen.

Auf nationaler Ebene sind Klima und insbesondere CDR eine große Chance für Deutschland — für Arbeitsplätze, für Wirtschaftswachstum und für den Schutz des Klimas.

‍Und wir sind tatsächlich ganz gut dabei. Wir führen eine eigene Datenbank über die CDR-Firmen weltweit. Gerade einmal etwa 900 Firmen — nur „Pure-Play CDR", wie wir das nennen, also ohne Airbus mitzuzählen, wenn die intern mit ein paar Leuten an DAC arbeiten — mit über 9.000 Mitarbeitern arbeiten weltweit an diesem Thema. 10 Leute pro Firma — das heißt, wir sind so unglaublich früh auf dieser Reise!

‍Deutschland liegt bei der Zahl der Firmen und bei der Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen bereits auf Platz 3, direkt nach UK und den USA. Das ist eine gute Ausgangssituation. Die sollten wir halten und ausbauen.

‍Lassen Sie mich ein wenig erzählen, wie ich hierher gekommen bin.

‍Ich habe mehr als ein Dutzend Firmen gegründet oder mitgegründet. Die erfolgreichste war die Paessler AG — 500 Mitarbeiter, Internet-Infrastruktur-Software. Vor knapp zehn Jahren bin ich als CEO ausgestiegen und habe mir eine Frage gestellt: Wo kann ich nützlich sein?

‍Diese Frage führte mich zum Klima und dann in die Nische CDR. Die Carbon Drawdown Initiative ist ein philanthropisches Projekt unserer Familienstiftung. Wir haben sie 2020 gegründet, mit dem Fokus auf nichts als CDR.

‍Unsere Mission ist es, negative Emissionen schneller zu machen. Und dafür drücken wir auf drei Hebel.

Der erste Hebel ist Impact-Kapital. Wir geben Geld, um neue Ideen auszuprobieren — und ziehen so die wichtigen ersten Schritte ein Stück aus der Zukunft in die Gegenwart. Wir geben super-frühes Kapital an CDR-Firmen: über 30 Investments in 14 Ländern auf der ganzen Welt. Das macht uns zum größten privaten CDR-Fonds der Welt (zumindest nach Anzahl). Alle wichtigen Verfahren sind vertreten — darunter Climeworks, InPlanet, Octavia, Syncraft und so weiter — plus die Wegbereiter im Ökosystem, wie Carbonfuture.

‍Der zweite Hebel ist die politische Arbeit. CDR ist ein bisschen wie die Müllabfuhr: Ohne Regulierung wird es keine negativen Emissionen im großen Maßstab geben. Staatliche Beteiligung ist unerlässlich. Deshalb sind wir Mitgründer von NEP, DVNE und CRIA. Und ich bin seit 2021 stellvertretender Vorsitzender (Vice Chairman) von NEP.

‍Der dritte Hebel ist die wissenschaftliche Arbeit. Wir wollten verstehen, wie beschleunigte Gesteinsverwitterung eigentlich funktioniert — was passiert da unten im Boden wirklich? Und das haben wir gelernt: Wir haben versucht, der akademischen Welt Geld zu geben. Aber das war wahnsinnig langsam (also wirklich langsam!). Finanzierte Wissenschaft erwies sich — für mich persönlich wie auch fürs Klima — als zu langsam. Also haben wir uns stattdessen selbst tief in ERW eingearbeitet. Wir haben uns buchstäblich die Hände schmutzig gemacht. Weil wir im Startup-Tempo denken.

Und lassen Sie mich Ihnen einfach die Liste der Universitäten vorlesen, die hier mit uns an diesem Gewächshaus-Experiment zusammenarbeiten, weil wir echt stolz darauf sind: Universität Erlangen-Nürnberg, ETH Zürich, Universität Mainz, Universität Hamburg, Universität Bonn, GFZ, das Alfred-Wegener-Institut, Universität Wageningen, Universität Antwerpen, Universität Kopenhagen, Newcastle University, James Cook University in Australien, das UFZ und das ELGO-Dimitra-Institut in Larissa, Griechenland (in keiner bestimmten Reihenfolge!).

Unser Wissenschafts-Fokus ist die beschleunigte Gesteinsverwitterung (Enhanced Rock Weathering, ERW). Wir haben sieben ERW-Investments in Europa, Afrika sowie Nord- und Südamerika — darunter InPlanet, Flux, Lithos, Silicate, Eion, Silica und Tropicarbon. Plus das Ökosystem drumherum: Everest in Berlin baut Feldsensoren, die die Gesamtalkalinität im Sickerwasser messen. AEROC in Köln nutzt Satelliten- und Drohnendaten, um die Kosten für Messung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) zu senken — was uns erlaubt, das Problem der Feld-Heterogenität anzugehen. Syntopa versucht, ERW mit Bakterien zu beschleunigen. Und die Rock Flour Company liefert das feinste Material, das es gibt: Gletscherstaub.

Wie sind wir also zum Gewächshaus gekommen?

  • 2021 haben wir unsere erste Tonne Basalt — buchstäblich von Hand — auf drei Kreisen auf meinem eigenen Grundstück in Fürth verteilt. Dann haben wir das ganze Jahr lang wie verrückt gemessen und überwacht. Und wir haben nichts gemessen. Kein Unterschied zwischen Kontrolle und Behandlung. Null. Nada. Nichts.

  • 2022 haben wir die nächste Generation des Experiments gebaut: zwanzig XXL-Lysimeter aus 300-Liter-Wassertonnen, im Boden vergraben. Wir haben dem Fürther Boden noch mehr Basalt hinzugefügt und wieder gemessen. Und wieder fanden wir kein Signal für eine CO₂-Entnahme. Nichts.

  • 2023 sind wir noch weiter aus der Natur heraus in eine kontrollierte Umgebung gegangen und haben das weltgrößte Gewächshaus-Experiment für ERW gebaut.

Und das haben wir herausgefunden: Der Boden auf meinem eigenen Grundstück, der „Fürther Boden", macht einfach kein CDR — zumindest nicht, wenn man es über die Gesamtalkalinität im Sickerwasser misst. Aber im Gewächshaus haben wir auch jede Menge Boden-Gesteins-Kombinationen gefunden, bei denen ERW richtig gut funktioniert.

Im Kern haben uns zwei spektakuläre Fehlschläge dazu gebracht, immer genauer hinzusehen. Das Ergebnis von vier Jahren Gewächshaus-Arbeit war unser CDI-Symposium vor drei Tagen, bei dem wir uns mit 50 Wissenschaftlern von den eben genannten Universitäten zusammengesetzt und diskutiert haben, was uns unsere Gewächshaus-Daten und -Proben sagen.

Lassen Sie mich also damit schließen, wie wir die Dinge sehen. ‍

Die beschleunigte Gesteinsverwitterung ist in bestimmten Umgebungen, zum Beispiel auf tropischen Böden, praktisch so gut wie gelöst. Wir haben kürzlich die ersten Zertifikate weltweit gesehen, die ausgestellt wurden. Firmen wie InPlanet, MATI, Alt Carbon und Lithos haben ihre ersten Zertifikate für CO₂-Entnahme verifiziert bekommen.

Auf komplexeren Böden wie in Mitteleuropa, zum Beispiel dem Fürther Boden, ist ERW noch nicht vollständig verstanden. Drei Gründe: Erstens, welcher Stein passt auf welchen Boden? Zweitens, wie verrechnen wir CDR, wenn manche Kationen eine Zeit lang im Boden geparkt bleiben? Und drittens macht moderne Intensiv-Landwirtschaft das Messen nicht gerade einfacher.

Wir vermuten außerdem, dass der Zusatznutzen von ERW für Ernte-Qualität und Nahrungsmittel-Produktion wichtiger ist, als viele denken.

ERW braucht — wie alles CDR — den Support durch die Politik. CDR ist eine Chance für Wachstum und Wohlstand für ein Ingenieursland wie Deutschland.

Und als wohlhabendes Land und als einer der größten kumulativen Emittenten ist es unsere Pflicht, voranzugehen. ‍

Hier also meine eine Bitte. Bitte tragen Sie die Begeisterung für CDR und ERW, die Sie hier bei uns erleben, weiter — ins System hinein — damit wir mehr Unterstützung bekommen, und zwar bald.

Danke an den DVNE für die Organisation dieser Tour. Und… danke Ihnen allen, dass Sie hier sind und dass Ihnen negative Emissionen am Herzen liegen.


PS: Hier ist ein Zeitraffer-Video der eher wissenschaftlichen Vorträge im Gewächshaus, die der Begrüßung folgten.

Hier ein Video vom DVNE über die 2 tägige Tour:

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